Selbermachen ist cool: Der “Ich-kann-nicht-singen-Chor” von Michael Betzner-Brandt

By Mai 24th, 2012

Ich hatte ja in meinen letzten zwei Artikeln das Selbermachen als die Lösung schlechthin propagiert, um Menschen Kunst und Kultur näher zu bringen, um sie dieselben bzw. entsprechende Leistungen wirklich schätzen zu lassen (es ging ums leidige Urheberrecht und das manchmal leichtfertige Herunterladen), um Kunst und Kultur tatsächlich aufleben und “für alle” sein zu lassen (das bezieht sich auf den Artikel zum Kulturinfarkt und meinen Blogtitel).

Raus aus die Pantoffel, ihr Kulturmuffel

Wie aber nun kann man Kulturmuffel davon überzeugen, dass das alles Spaß macht und total cool sein kann?

Warum man das will, und dass es gut ist, das zu wollen, ist mal wieder eine andere Geschichte. Es ist gut! Kunst und Kultur gehören “gefördert” im Sinne von: in den Alltag geholt. Dazu aber sollte den Menschen nicht so viel vorgeführt werden sondern sie sollten, ich hab’s schon geschrieben, ver-führt werden. Und ein genialer Verführer ist Michael Betzner Brandt mit seinem “Ich-kann-nicht-singen-Chor”. (Übrigens, ich bin ehrlich – den Chor habe ich noch gar nicht besucht, aber allein sein Name ist doch wundervoll. Deswegen muss ich aber ein wenig auf Fremdberichte zurückgreifen. Und außerdem – ich habe mal zwei andere Kurse bei Herrn Betzner besucht – einer davon war “Singen ohne Noten” – und ich habe selten so viel Spaß gehabt. (Dabei kann ich doch gar nicht singen ohne Noten. Ich kann nur “mit”, dachte ich. Naja,  jedenfalls kommt der Ich -kann-nicht-singen-Chor auch ohne Noten aus.)

Aber der Reihe nach…

Achtzig Brummer und Piepser

Rund achtzig Leute, die sich nach einschlägigen Berichten zumeist als Piepser und Brummer bezeichnen, umfasst das Friedrichshainer (in Berlin ist das) Chortreffen jedesmal, das im Januar 2011 ins Leben gerufen wurde, und alle meinen also von sich, sie könnten das ja eigentlich nicht. Was denn, “das”? Arien singen? Oder einfach Musik machen mit ihrer Stimme? Was ist denn Musik? Wenn’s klingt, wenn’s fließt, wenn es einen gemeinsamen Klang gibt, ein großes und glücklich machendes umfassendes Etwas vielleicht. Genau das entsteht bei Betzner-Brandt einfach immer. Und deswegen können sie es eben doch.

Spielen befreit

Man schreitet, hüpft, rennt durch den Raum, schließt sich zu kleinen, dann immer größer werdenden Grüppchen zusammen, trennt sich wieder, interagiert, reagiert, brummt, tönt, hört hin, pflückt Töne von der Decke, atmet, spürt nach, entspannt sich, wird freier und immer fröhlicher, manchmal auch ganz still, aber immer ist da plötzlich eine ganz große Menge Musik. Keine Arien oder Kunstlieder, das nicht. Aber das muss ja auch nicht – das machen schon die anderen. Bei Betzner-Brandt darf man erstmal einfach spielen. Und kommt sich selbst dabei doch so nahe, dass es fast berührend ernst wird, manchmal.

Und abgesehen davon: Bei der ganzen Aufwärm-Spielerei verschwinden eben eine Menge Blockaden, die ja gar nicht so selten der Grund fürs Nicht-singen-können sind. (Nur mal so nebenbei: Singen ist wirklich genial. Man erfährt an sich selbst ganz neue Seiten, Seiten, die vielleicht unterentwickelt waren und die man immer vermisst hatte. Ich habe z.B. auch immer recht viel gepiepst, und als ich im Gesangsunterricht meine Bruststimme so richtig kennen- und mit der Kopfstimme vereinen lernte, da lernte ich auch einen Teil von mir kennen, der weiß, was er will und wo’s langgeht. Was habe ich mich gefreut, den in mir begrüßen zu können. Tja, man glaubt ja kaum, was man durch die Kunst so alles erfährt. :-) )

Singen weckt immer Lust auf mehr

Aber zurück zum Ich-kann-nicht-singen-Chor. Am Ende wird sogar eine Oper gesungen. Nicht sehr lang ist die, wie mir scheint (das habe ich auch nur gelesen, und zwar hier ), aber doch, eine Oper. Und selbst vertonte Textzeilen. Es wird jedenfalls ganz richtig musiziert. Und alle machen mit.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Das macht Lust auf mehr. Und wer dann seine Stimme wirklich zu entdecken beginnt (es ist ehrlich unglaublich, wie sehr sich eine Stimme mit Zeit und ein bisschen Übung verändern kann und was das mit einem selber macht), der will das Singen nicht mehr missen. Und hat sich plötzlich eine neue Welt erschlossen.

Wer Informationen zum Ich-kann-nicht-singen-Chor erhalten möchte, wendet sich am besten an Herrn Betzner-Brandt selbst; ich frage mal nach, welche Daten ich hier veröffentlichen kann.

Auf bald,

Sabine Pendl

This entry was posted on Donnerstag, Mai 24th, 2012 at 11:58 and is filed under Kunst und Spiel/ Kunst als Spiel. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

Ein Kommentar zu “Selbermachen ist cool: Der “Ich-kann-nicht-singen-Chor” von Michael Betzner-Brandt”

  1. Kunst und Kultur für Alle – das KuKmal-Blog » Blog Archive » Kunst als Spiel – wir haben es uns ernsthaft verdient! Sagt:

    [...] meinem letzten Beitrag lautete eine Zwischenüberschrift: Spielen [...]

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